Wunderbarer Konzertabend am 25.4.26 mit Werken von Mozart und Haydn
schließt musikalischen Rahmen von Ostern bis Pfingsten
Rund 150 Zuhörer haben am Samstagabend in der St. Peter-Kirche ein Konzert erlebt, das zwei der bedeutendsten Komponisten der Wiener Klassik in den Mittelpunkt stellte: Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn. Unter der Leitung von Christian Rose und Jörg Segtrop präsentierten der Madrigalchor Werl, die Ars Musica St. Vincenz sowie die Musica Antiqua Markiensis ein stilvolles Programm, das in der Werler Kirche den musikalischen Reigen von Ostern bis Pfingsten spannte und dabei durch historische Tiefe und interpretatorische Leichtigkeit überzeugte. Als Solisten beeindruckten Stefanie Fels-Lauer (Sopran), Cordula Boy (Alt), Thomas Iwe (Tenor) und Hanno Kreft (Bass).
Als zentraler Punkt des Programms fungierte Mozarts berühmte „Krönungsmesse“ in C-Dur (KV 317), die er 1779 im Rahmen seiner Anstellung als Hoforganist in Salzburg komponiert hatte. Für seinen Auftraggeber Fürsterzbischof Hieronymus von Colloredo war die liturgische Musik zu Ostern streng reglementiert und entsprechend lauteten die Auflagen an den Komponisten: kurz, prägnant und ohne übermäßige Ausdehnung – und nicht länger als 45 Minuten. Mozart erfüllte diese Vorgaben mit einer Messe von strahlender Klarheit, die dabei auch noch alle klanglichen Dimensionen ausschöpft: Pauken und Trompeten verleihen ihr festlichen Glanz, während vokale Soli, Duette, Quartette und Chorpartien in ausgewogener Balance stehen.
All diese Faktoren wurden in der Aufführung eindrucksvoll hörbar. Solisten, Chor, und Orchester verschmolzen zu einem homogenen Klangkörper, der Mozarts bewusst „bekömmlichen“ Charakter der Komposition mit Leichtigkeit und Brillanz interpretierte. Dabei zeigte sich immer wieder ein feines, wohl atmendes und transparentes Zusammenspiel zwischen vokalen und instrumentalen Ebenen, das die liturgische Würde des Werkes ebenso betonte wie seine musikalische Eleganz.
Historisch interessant bleibt, dass Mozart trotz der formalen Bindung an den Fürstbischof Colloredo rückblickend nur wenig Wertschätzung für seine Salzburger Zeit als Hoforganist von Januar 1779 bis Sommer 1781 zeigte. Berühmt wurde seine spitze Bemerkung, der Fürsterzbischof habe ihn „mit einem Tritt in den Hintern“ aus dem Dienst entlassen. Der Nachwelt erhalten blieb neben dieser Anekdote aber eben auch jenes beeindruckende Werk, das seinen Namen als „Krönungsmesse“ entsprechend einem schriftlichen Nachweis im Köchelverzeichnis erst 1862 erlangte: Mozarts Werk, das für die Ostermesse entstanden war, avancierte zu einem festen Bestandteil kaiserlicher Krönungszeremonien.
Als Besonderheit war die „Krönungsmesse“ in ein dramaturgisch klug gestaltetes Programm eingebettet. Nach dem Auftakt mit „Kyrie Eleison“ und dem „Gloria in excelsis Deo“, folgte das Konzert für Trompete und Orchester in Es-Dur von Joseph Haydn: Dirigent Jörg Segtrop brillierte als Solist auf einer historischen Klappentrompete. Dieses Instrument, entwickelt vom Wiener Trompeter Anton Weidinger und dem deutschen Instrumentenbauer August Beyde, ermöglichte erstmals chromatische Tonfolgen und damit eine völlig neue Klang- und Ausdruckswelt am Blechblasinstrument.
Haydns Konzert, das diese technischen Neuerungen eindrucksvoll nutzt, wurde von Segtrop mit bemerkenswerter Virtuosität interpretiert. Besonders die souveräne Beherrschung der hohen Register – bis in extreme Lagen über das C3 hinaus – und die Läufe samt wunderbar weich klingenden Trillern beeindruckten das Publikum. Der Trompeter zeigte eine technische wie musikalische Brillanz, die stets dem Charakter des Werkes verpflichtet blieb.
Zusätzlich waren in das Programm neben Haydns Trompetenkonzert auch weitere geistliche Werke von Mozart integriert. Neben der „Vesperae solennes de Confessore“ (KV 339) gab es auch das berühmte „Ave verum corpus“ (KV 618) zu hören, welches sich mit seiner fast schon meditativen Klangsprache als ideales Vorspiel zum festlichen Finale der „Krönungsmesse“ erwies. Die musikalische Dramaturgie führte konsequent auf das „Agnus Dei“ als emotionalen Höhepunkt hin.
Der Konzertabend überzeugte somit nicht nur durch seine stilistische Geschlossenheit der eigentlich unabhängig voneinander entstandenen Werke, sondern auch durch die gelungene Verbindung von historischer Aufführungspraxis, solistischer Virtuosität und chorischer Klangkultur – ein eindrucksvolles Zeugnis lebendiger klassischer Musiktradition.
Stehende Ovationen und minutenlanger Applaus waren der verdiente Zuspruch. Die Musikerinnen und Musiker erfüllten den Wunsch nach einer Zugabe mit der Motette „Veni Sancte Spiritu“ (KV 47), die Mozart bereits im Alter von zwölf Jahren komponiert hatte: Diese Komposition mit dem musikalischen Hinweis auf das Pfingstfest rundete einen wunderbaren Konzertabend ab.
Text: M. Brettermeier
Fotos: Thomas Nitsche (Werler Anzeiger), Jörg Segtrop